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DER HISTORISCHE DOKTOR FAUST UND DIE TRADITION DES FAUST-THEMAS 

PORTRÄTS DES DOKTOR FAUST


X,1 

DOCTOR FAUSTUS


Nachstich nach einer Radierung von Jan Georg (Joris) van Vliet (um 1610 - nach 1631)
14,7 x 9,3 cm (Plattenrand)



X,2 

LE DOCTEUR FAUSTE PHILOSOPHE ALEMAND


Kupferstich
16 x 12 cm (Plattenrand)

Johann Faust wurde 1485 in Knittlingen geboren. Den Magister- und Doktortitel hatte er sich unberechtigterweise zugelegt. Er beschäftigte sich mit Weissagungen, Astrologie, Totenbeschwörung und Alchimie und verkehrte in Universitätsstädten und an Fürstenhöfen. 1540 starb er in Staufen eines wahrscheinlich nicht natürlichen Todes. Bald verbreitete sich die Meinung, er habe mit dem Teufel im Bunde gestanden, und dieser habe sich Fausts Seele geholt.



X,3 

DIE MAGIE


Kupferstich, 1769, von Gottlob August Liebe (1696-1753) nach einem Gemälde von Alessandro Magnasco, gen. Lissandrino (um 1677-1749)
30 x 20,5 cm

Allegorische Darstellung mit den Attributen der Teufels und Geisterbeschwörung.

Die Tradition des Faust-Stoffes wurzelt im Bereich des spätmittelalterlichen Aberglaubens. Alle Ereignisse oder außergewöhnlichen Fähigkeiten, die man sich auf natürliche Weise nicht erklären konnte, wurden der Einwirkung überirdischer, dämonischer oder teuflischer Mächte zugeschrieben. In umgekehrter Hinsicht glaubte man, sich besondere Fähigkeiten, Kenntnisse und Macht mit Hilfe von Geistern und des Teufels aneignen zu können. Die "Schwarze Magie" benutzte Anleitungen, Beschwörungsformeln, Zauberkreise und Zauberzeichen, die als sogenannte "Höllenzwänge" meist in handschriftlicher Form überliefert wurden.



X,4 
DER ALCHIMIST


Kupferstich von Méchon, um 1780, nach David Teniers d. J. (1582-1649)
19,7 x 22 cm

Der Berufstand der Alchimisten war wegen der für den Laien unerklärlichen Experimente des Einvernehmens mit dem Teufel oder der Geisterbeschwörung verdächtig.

Als Goethe 1768 von der Leipziger Universität in sein Elternhaus nach Frankfurt zurückgekehrt war, beschäftigte er sich unter dem Eindruck einer schweren Erkrankung mit Experimenten und dem Studium alchimistischer, kabbalistischer und mystischer Literatur.


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X,5 

MEPHOSTOPHILES und JOAN FAUSTUS


Kupferstich von Christoph van Sichern (1580-1648)
16 x 13 cm

Aus: Het Tooneel Der Hooft-Ketteren, Bestaande in verscheyde Afbeeltsels Van Valsche Propheten, Naackt-loopers, Geest-dryvers, Sectarisen en Duyvels-konstenaren. By een vergadert, en in´t Koper gesneden. Door C. V Sichem. Tot Middelburgb, By Wilhelmus Goeree, Boeck-verkooper, in Cicero. Anno 1677



X,6 

D. JOHANNIS FAUSTENS MIRACUL KUNST= UND WUNDER=BUCH,


mit welchem er Die geister bezwungen [...]
Passau Ao. 1612.

Abschrift aus dem Jahre 1756 mit aquarellierten Zeichnungen, von denen eine König Mephistophiles Gestallt darstellt.



X,7 

JOHANNES TRITHEMIUS, 1536


Joannis Tritemii abbatis Spanhemensis Epistolarum familiarium libri duo ad diversos Germanzae Principes, Episcopos, ac eruditione praestantes urios, quorum Catalogus subiectus est.
Cautum est publico edicto Caesareae Maiestatis, ne quis alius impune intra quatuor annos imprimat.
Haganoae ex officina Petri Brubachij, 1536.

Dieses Buch enthält die früheste Nachricht über Faust.



X,8 
DAS SPIES´SCHE FAUST-BUCH, 1587


Historia Von D. Johann Fausten, dem weitbeschreyten Zauberer unnd Schwartzkünstler, Wie er sich gegen dem Teuffel auff eine benandte zeit verschrieben, Was er hier zwischen für seltzame Abentheuwer gesehen, selbs angerichtet und getrieben, biß er endtlich seinen wol verdienten Lohn empfangen. Mehrertheils auß seinen eygenen hinderlassenen Schrifften, allen hochtragenden, fürwitzigen und Gottlosen Menschen zum schrecklichen Beyspiel, abscheuwlichen Exempel, und treuwhertziger Warnung zusammen gezogen, und in den Druck verfertiget. Jacobi IIII. Seyt Gott underthänig, widerstehst dem Teuffel, so fleuhet er von euch. Cum Gratia et Privilegio. Gedruckt zu Franckfurt am Mayn, durch Johann Spies. MDLXXXVII.

Im Gegensatz zur früheren Auffassung, daß in diesem Buch die über Faust umlaufenden Sagen nur zusammengefaßt seien, wissen wir heute, daß es sich um den ersten bewußt gestalteten biographischen Roman in der langen Folge von Faust-Dichtungen handelt. Faust schließt den Pakt mit dem Teufel hier nicht mehr wie in der damals unter dem Volk verbreiteten Sage aus Eitelkeit und sinnlichen Gelüsten, sondern um seine Wißbegier zu stillen. Diese Wißbegier ist aber noch nicht mit "Forscherdrang" identisch, vielmehr hat sie den Charakter von "Fürwitz" und "Hoffart", die am Ende ihre Strafe finden, indem Faust vom Teufel geholt wird.

Vier Motive, die für die spätere Faustdichtung und vor allem für Goethes Faust charakteristisch wurden, erscheinen hier zum ersten Male: 1. der formelle Pakt mit dem Teufel; 2. Mephistopheles als Vertreter der Hölle; 3. die Gestalt des Wagner als Famulus; 4. die Erscheinung Helenas.


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X,9 
DIE SAGE VON CHRISTOPH WAGNER, DEM SCHÜLER DES DR. FAUSTUS, 1594


Ander theil D. Joh. Fausti Historien darin beschrieben ist. Christophori Wageners, Fausti gewesenen Discipels auffgerichter Pact mit dem Teuffel, so sich genandt Auerhan, und ihm in eines Affen gestalt erschienen, auch seine Abenthewrliche Zoten und possen, so er durch beforderung des Teuffels geübet. und was es mit ihm zu letzt für ein schrecklich ende genommen. [...] Durch Fridericum Schotum Tolet: jetzt zu P: Cum Priuilegijs, & C. Anno MDXCIIII.


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X,10 

DAS FAUST-BUCH VON RUDOLF WIDMANN, 1599


Erster Theil Der Warhafftigen Historien von den grewlichen und abschewlichen Sünden und Lastern, auch von vielen wunderbarlichen und seltzamen ebentheuren: So D. Johannes Faustus Ein weitberuffener Schwartzkünstler und Ertzzäuberer, durch seine Schwartzkunst, biß an seinen erschrecklichen end hat getrieben. Mit nothwendigen Erinnerungen und schönen exempeln, menniglichem zu Lehr und Warnung außgestrichen und erklehret, Durch Georg Rudolff Widmann. Gedruckt zu Hamburg, Anno 1599. Ex Officina Hermanni Molleri.

Das 1599 gedruckte Faust-Buch Widmanns ist gegenüber dem Spies'schen Faust-Buch ein Rückfall auf das Niveau der übrigen Teufelsbündnerliteratur: Faust erscheint als Wüstling und Prasser. Widmann hat aus der verfügbaren Literatur, so viel zusammengetragen, daß sein Werk auf mehr als 700 Seiten angewachsen ist.



X,11 

DAS FAUST-BUCH VON NIKOLAUS PFITZER, 1674


Das ärgerliche Leben und schreckliche Ende deß vielberüchtigten Ertz-Schwartzkünstlers D. Johannis Fausti, Erstlich, vor vielen Jahren, fleissig beschrieben, von Georg Rudolph Widmann; jetzo, aufs neue übersehen, und so wol mit neuen Erinnerungen, als nachdenklichen Fragen und Geschichten, der heutigen bösen Welt, zur Warnung, vermehret, Durch Joh. Nicolaum Pfitzerum, Med. Doct. Nebst vorangefügtem Bericht, Conradi Wolff: Platzii, weiland der heiligen Schrifft Doctorens, von der greulichen Zauberey-Sünde; und einem Anhange, von den Lapponischen Wahrsager-Paucken, wie auch sonst etlichen zaubrischen Geschichten. Nürnberg, In Verlegung Wolfgang Moritz Endters, und Johann Adreae Enthers Sel. Erben. MDCLXXIV

Bearbeitung des Widmann'schen Faust-Buches durch den Nürnberger Arzt Nikolaus Pfitzer. Erste Ausgabe, Nürnberg 1674

Pfitzer versuchte, Faust wieder auf eine höhere menschliche und geistige Stufe zu stellen. Sein Werk erlebte bis 1726 sieben Auflagen. Goethe lernte es 1801 kennen und verdankt ihm wahrscheinlich die Anregung zum "Prolog im Himmel".



X,12 

DIE SAGE VOM HERZOG VON LUXEMBURG


2 Fassungen:
Le Mareschal de Luxembourg au Lit de la Mort.
Tragi-Comedie. A Cologne, Chez Pierre Richemont MDCXCV

Des Weltberuffenen Hertzogs von Luxenburg, Gewesenen Königl. Frantzösischen Generals und Hof-Marschalls Pacta oder Verbündniß Mit dem Satan Und das darauf erfolgte Erschreckliche Ende [...] Franckfurth und Leipzig, 1716.

Mit zweiseitigem Titelkupfer, das insgesamt vier Szenen darstellt.

Die Faust-Sage und die Sage vom Herzog von Luxemburg sind verwandt durch das Motiv des Teufelsbundes. Die letztere war in Form von Pamphleten, Volksbüchern und Flugschriften in Holland und Frankreich, aber auch in Deutschland weit verbreitet. Das älteste deutsche Volksbuch stammt aus dem Jahre 1680. Die Sage bezieht sich auf die Person des François Henri de Montmorency-Boutteville Herzog von Luxemburg (1628-1695), einen berühmten Feldherrn unter dem französischen Sonnenkönig Ludwig XlV. (1638-1715). Man bewunderte des Herzogs kriegerische Erfolge, haßte ihn wegen seiner Grausamkeiten, verfolgte, wie er in einige Giftmordprozesse verwickelt, in der Bastille eingekerkert wurde und schließlich einen glanzvollen Wiederaufstieg genoß. So kam es dazu, daß man ihn eines Paktes mit dem Teufel bezichtigte. Dieser sollte ihm drei Versprechen gegeben haben: Er werde immer siegreich sein, stets den ersten Rang in der Gunst des Königs einnehmen und die Liebe der Frauen genießen.



X,13 

DAS FAUST-BUCH DES "CHRISTLICH MEYNENDEN", 1725


Des durch die ganze Welt berufenen Erz-Schwarz-Künstlers und Zauberers Dr. Johann Fausts, Mit dem Teufel aufgerichtetes Bündniß, abentheuerlicher Lebenswandel, und mit Schrecken genommenes Ende. Aufs neue übersehen, in eine beliebte Kürze zusammen gezogen, und allen vorsetzlichen Sündern zu einer herzlichen Vermahnung und Warnung zum Druck befördert, von einem Christlich Meynenden. Frankfurth und Leipzig.

Diese letzte Fassung eines anonymen Verfassers bringt auf 48 Seiten nur noch die knappe Fabel des Faust-Stoffes zur "Vermahnung und Warnung". Das Faust-Buch des "Christlich Meynenden" ist eine der letzten Bearbeitungen des Faust-Stoffes vor Goethe.



X,14 

CHRISTOPHER MARLOWE (1564-1593)


Doktor Faustus. Tragödie von Christopher Marlowe. Aus dem Englischen übersetzt von Wilhelm Müller. Mit einer Vorrede von Ludwig Achim von Arnim. Nebst einem Steindrucke. Berlin 1818. In der Maurerschen Buchhandlung.

Marlowes Faust-Drama "The Tragical History of D. Faustus!", dem das auch in England verbreitete Spies'sche Faust-Buch zugrunde liegt, entstand zwischen 1587 und 1593. Es kam im 17. Jahrhundert im Repertoire der Wanderbühnen nach Deutschland. Selbst in der reduzierten Form der Puppenspiele blieb die Eindringlichkeit des Originals erhalten. Besonders die Szene im Studierzimmer machte auf die Zuschauer tiefen Eindruck.



X,15 
GOTTHOLD EPHRAIM LESSING (1729-1781)


an Georg August von Breitenbauch (1731-1817)
Leipzig, 12. Dezember 1755

Eigenhändiger Brief

Merken Sie mir es nun bald an, daß ich an meinem D. Faust arbeite? Sie sollten mich in einer mitternächtlichen Stunde darüber sinnen sehen! Ich muß zum Entsetzen aussehen, wenn sich die schrecklichen Bilder, die an mir in dem Kampfe herumschwirren, nur halb auf meinem Gesicht ausdrücken. Wenn ich selbst darüber zum Zauberer oder zum Fanatiker würde! Könnten Sie mir nicht ihre melancholische Einbildungskraft manchmal leihen, damit ich die meine nicht zu sehr anstrengen dürfte? Ob Sie sie über den Prophezeyungen Daniels spintisiren, oder mir an meinem Faust helfen ließen, das würde wohlauf eins herauskommen. Es sind beydes Wege zum Tollhauß; nur daß jener der kürzeste u. gewöhnlichste ist. Ich erspare die Ausarbeitung der schrecklichsten Scenen auf England. Wenn sie mir dort, wo die überlegende Verzweiflung zu Hause ist, wo mehr als irgend die unglückliche - when they see all hope of fortune vanish'd, submit and gain a Temper by their ruine; wenn sie mir, sag ich, da nicht gelingen, so gelingen sie mir nirgends.

Die Aufklärung sah in Faust in erster Linie den nach umfassender Erkenntnis suchenden Gelehrten und gewann von hier dem Stoff ein neues Interesse ab. Die geistige Durchdringung der Welt erfuhr eine allgemein positive Bewertung, die auch Fausts Streben in ein neues Licht rückte. Lessing schreibt an anderer Stelle: Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeine, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen (1778). Sein geplantes Faust-Drama sollte folgerichtig nicht mit dem Untergang Fausts, sondern mit seiner Rettung enden. Leider erschienen nur wenige Szenen im 17. Literaturbrief 1759. Alles übrige blieb unausgeführt oder ist verlorengegangen.


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GOETHES "FAUST" 

X,16 
LUISE VON GÖCHHAUSEN (1747-1807)


Bleistiftzeichnung von Johann Wolfgang Goethe, um 1776
28,5 x 19,9 cm

Die Weimarer Hofdame Luise von Göchhausen hat durch ihre Abschrift des Faust-Manuskripts, aus dem Goethe im Dezember 1775 der Weimarer Hofgesellschaft vorgelesen hatte, den sogenannten "Urfaust" der Nachwelt überliefert. Die Abschrift wurde erst 1887 in der Hinterlassenschaft einer Nichte der Luise von Göchhausen wieder aufgefunden und erschien kurz darauf im Druck. Diese früheste fixierbare Entwicklungsstufe des Goetheschen "Faust" war zu des Dichters Lebzeiten nicht veröffentlicht worden.


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X,17 

REMBRANDT HARMENSZ VAN RHYN (1606-1669)


Faust, der eine Lichterscheinung mit magischen Zeichen betrachtet.
Radierung
20,9 x 15,9 cm

Das Blatt, welches ursprünglich einen Gelehrten oder Alchimisten darstellt, wurde erstmals in einem 1751 in Paris erschienen Rembrandt-Katalog des Kunsthändlers Gersaint als "Faust" bezeichnet. Seitdem war es unter diesem Titel verbreitet. Goethe hat den betreffenden Katalog gekannt.



X,18 
JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749-1832)


Goethe's Schriften. Siebenter Band. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen, 1790.

In dieser ersten Gesamtausgabe von Goethes Werken erschien zum ersten Mal "Faust. Ein Fragment" mit den in Italien entstandenen Szenen "Hexenküche" und "Wald und Höhle". Das "Fragment" bricht ab mit der Szene "Gretchen im Dom". Der Kupferstecher Johann Heinrich Lips benutzte die Rembrandt-Radierung als Vorlage zu seiner verkleinerten und seitenverkehrten Illustration.


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X,19 

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749-1832)


Faust. Ein Fragment. Von Goethe. Ächte Ausgabe. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen, 1790.

Erste Sonderausgabe des "Fragments".



X,20 

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749-1832)


Faust. Eine Tragödie.
In: Goethe's Werke. Achter Band. Tübingen in der J.G. Cotta'schen Buchhandlung. 1808.

Diese Fassung, das Ergebnis des engen Gedankenaustauschs zwischen Goethe und Schiller, enthält erstmals zu Beginn des Dramas die "Zueignung" und das "Vorspiel auf dem Theater".