"Stefan Zweig 1881 - 1942"

27. November 2011 bis zum 22. Januar 2012.

»…ein Buch kann lügen und ein Brief. Aber in einem ist der Mensch unlösbar an die innerste Wahrheit seines Wesens gebunden – in der Schrift«. Zu dieser Erkenntnis ist Stefan Zweig als leidenschaftlicher Sammler von Manuskripten gekommen. Briefe sammelte er dagegen nicht. Doch für sich selbst hat er dem Brief eine wichtige Rolle im Leben zuerkannt, weil er darin eine besondere Form des Gesprächs sah, das ihn in eine individuelle Nähe zu seinen Partnern brachte. Nicht selten warb er zu Beginn einer Korrespondenz um einen fortgesetzten, herzlich offenen und nicht minder wohlformulierten Gedankenaustausch. »Einen schönen Brief zu schreiben – das ist wohl nicht schwer für einen, der den Styl beherrscht, aber nirgends Anstrengung, ja nicht einmal Bewusstsein dieser Schönheit – das wollte ich noch können«. Dabei »spontan […], aufrichtig und wirklich«. Seine Spontaneität (die sich hier auch im Unfertigen des Satzes zeigt) entwickelt sich im Verlauf der Niederschrift; sie spiegelt sich – nicht anders als seine Konzentration – im Schreibduktus, wie die Beispiele der Ausstellung deutlich machen. So belegt der früheste erhaltene Brief des gerade einmal 16-jährigen an den zu seiner Zeit berühmten »Gelehrtenromancier« Georg Ebers, wie er bemüht ist, sein wahres Alter durch den Schwung der Schriftzüge zu kaschieren. Und das letzte Blatt von der Hand des 60-jährigen am Vorabend seines Suizids lässt uns die relative Ruhe des »allzu Ungeduldigen« ahnen. Dazwischen lassen sich hier Briefe entdecken, denen man anmerkt, wie freudig oder auch zornig erregt, wie enttäuscht oder begeistert er sie verfasst hat. – Stefan Zweig hat im Laufe seines Lebens etwa 20.000 Briefe geschrieben, die meisten mit der Hand. Gelegentlich nutzte er aber die Dienste eines freiberuflichen sogenannten »Schreibmaschinenfräuleins«. Seit November 1919 beschäftigte er dann eine ständige Sekretärin. Um von ihr zeitlich unabhängig zu sein - »Zeit sparen heißt das Leben verlängern«, war einer der Slogans der zwanziger Jahre -, schaffte er sich eine Diktiermaschine, ein so genanntes »Stenophon« an. Der Reiz für uns heute ist, dass wir seine selbstkritische Durchsicht des Diktierten anhand der handschriftlichen Einschübe und Ergänzungen im Typoskript nachvollziehen können. – Neben den schriftlichen Zeugnissen geben die Kuratoren der Ausstellung mit dem einzig erhaltenen Ölporträt, das Walter Kornhas 1917 von Zweig gemalt hat, und mit Fotografien auch ein reales Abbild des Schriftstellers. In der Ausstellung wird ein Film über Leben und Werk Stefan Zweigs gezeigt.

Anmerkung 97